Dimensionen des WIR


Musikalische Inszenierung

Jugendkunstschule Atrium Berlin
& Max-Beckmann-Oberschule Berlin
Klasse 7/13

gefördert vom Bezirksamt Reinickendorf

2015






Audio : Soundcollage dreier Schülerinnen



Nächste Station: RESPEKT !

Die Türen der U-Bahn schieben sich schleppend zusammen. Es folgt die Ansage der nächsten Station. Fahrgeräusche werden zunächst lauter, blenden dann langsam aus. Andersartige Geräusche tauchen auf: Grillenzirpen, ein Käuzchen, gestreute Jazz-Klänge. Dann kommen Stimmen: „Du bist zu klein und zu fett.“ „Wo kaufst Du denn Deine Klamotten?“ „Ey, Du Streber!“ Das Ganze steigert sich zu einem beängstigenden Stakkato und endet in einem Schrei und hämischem Gelächter. Währenddessen sehen wir ein Mädchen in einer mithilfe von Bambusstäben dargestellten U-Bahn immer tiefer in sich zusammen sinken. Ein anderes springt bei: „Jeder Mensch ist wertvoll!“

„Dimensionen des WIR“ ist Titel und inhaltlicher Leitfaden des Kunstprojektes, das in enger Kooperation mit den Lehrkräften Andrea Wulff und Sabine Haendly umgesetzt wurde. Die Projektförderung durch das Amt für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Reinickendorf ermöglichte es, in der Zeit von April bis September 2015 über den üblichen schulischen Rahmen hinauszugehen und ein Projekt zu entwickeln, das neuere Kunstformen in den Unterricht einbindet, Querverbindungen zwischen den Künsten schafft und dabei inhaltlich deutlich an den Rahmenlehrplan Ethik angeschlossen ist.

Eingeführt wurde in das Projekt durch die intensive wöchentliche Auseinandersetzung mit den Kunstformen Klangcollage, Rauminstallation und Performance. Die Klasse unternahm einen Ausflug in den Hamburger Bahnhof und besuchte die Ausstellung des Künstlers Michael Beutler, sie erfuhr, welche Parameter in einer Performance zu beachten sind und erkundete die experimentelle Arbeit mit Alltagsgeräuschen und Text. Mit entsprechenden Mitteln wurden in der Folge eigene Erfahrungen im sozialen und gesellschaftlichen Miteinander kritisch beleuchtet. Gemeinschaftsgefühl und Rebellion, Fremdenfeindlichkeit und Respekt, Selbst- und Fremdwahrnehmung wurden durch Bewegung, Tanz und Sprache von einzelnen Gruppen in eine künstlerische Ausdrucksform gebracht und performativ erleb- und spürbar gemacht.
Die Zusammenführung der Einzelsequenzen erfolgte in Form einer auditiven U-Bahn Fahrt mit der Linie 9 von Wedding nach Reinickendorf. Einige Schülerinnen und Schüler schufen den visuellen Rahmen für die Performances in Form eines durch Bambus-Elemente angedeuteten U-Bahn-Waggons, der für die Aufführung in der Aula der Schule aufgebaut wurde. An jeder "Haltestelle" stiegen Jugendliche aus bzw. ein und hatten die Fahrzeit zwischen zwei Stationen zur Verfügung, um als Gruppe ihre Performance zu zeigen. Experimentell erschlossene collagenartige Umsetzungen fanden hier gleichberechtigt ihren Platz neben implementierten Elementen der Pop-Kultur wie z.B. der Song "Hey Mr. Nazi" von Blumio.

Zu Beginn des neuen Schuljahres kam die Klasse noch einmal in Projekttagen zusammen, um mit etwas Abstand auf die eigene Arbeit zurückzuschauen. Wie betrachten sie selbst rückblickend den Prozess der Erarbeitung der eigenen Positionen? Wie hat die Auseinandersetzung mit den Themen die Klassensituation beeinflusst? Solche und ähnliche Fragestellungen wurden diskutiert und die Ergebnisse zusammen mit einer Videoaufzeichnung der Performance, der Aufführung von Ausschnitten der Performance, Zeichnungen aus dem Prozess und weiterem Material am 03.September 2015 in der Jugendkunstschule Atrium präsentiert.